• Telefon: 069 - 96 86 60 11

Scheitern oder Niederlage?

150 150 Francisco Javier Fiala

Wann genau ist es eine Niederlage oder ein Scheitern ? Und ab wann wird es zu einem Problem?

Heute morgen klingelte mein Wecker um 6:50 Uhr. Aufgestanden bin ich aber leider erst um Uhr 7.30., nämlich nachdem mein Hund mit seiner feuchten Schnauze  an meinem Gesicht andockte. Widerwillig stand ich endlich auf und kurze Zeit später musste ich mal wieder feststellen, dass ich es erneut nicht geschafft hatte pünktlich aufzustehen. Immer wieder scheitere ich daran und es geht mir gehörig auf den Keks. Den Wecker gleich auf Uhr 7.30 stellen bringt aber leider auch nichts. Sind es nun regelmäßige Niederlagen oder ein komplettes Scheitern ?

Allerdings gebe ich zu, dass dieses Scheitern noch nicht wirklich existentiell ist und im wahren Leben so einige schwerwiegendere Niederlagen stattfinden, als morgens den Wecker drei Mal wegdrücken. Und hier kommt auch schon die nächste Frage, die ich mir stelle: Wann ist es im Leben eine Niederlage und wann spricht Mann und Frau vom Scheitern?

Früher war eben doch alles anders

Das mit den Niederlagen erfahren wir ja schon sehr früh in unserem Leben. Beim Fussball zum Beispiel habe ich schon in sehr jungen Jahren, je nachdem in welcher Mannschaft ich spielte, regelmäßig Niederlagen einstecken müssen. Oder das Ding mit den Mädels. Niederlagen ohne Ende. Oder oder oder….

Allerdings kann ich mit gutem Gewissen bestätigen, dass ich dabei nie das Gefühl hatte gescheitert zu sein. Ein paar doofe Tage ok, „Mund abputzen“ wie es so schön heisst, und dann war wieder alles töfte.

Später, in den ersten Jahren des Berufslebens klappte mit Sicherheit auch nicht alles so wie ich es mir wünschte. Zum Teil gab es sogar Ereignisse, die den gesamten damaligen Lebensplan auf den Kopf stellte. Gefühlte Niederlage ? Vielleicht, wenn selbstverschuldet. Scheitern ? NEIN !

Eine Definition ist hilfreich

Also, wie soll man es verstehen. Ab wann ist eine Niederlage ein Scheitern und kann man sich davor schützen? Nach einem Blick in unser allseits geschätztes Wikipedia weiss ich schon mal, dass eine Niederlage das Gegenteil ist von einem Sieg. Aha. Wer hätte das gedacht. Und die Definition von Scheitern? Bitte schön, hier kommt sie: Ursprünglich bezeichnete man „Scheite“ oder „Scheiter“ als abgespaltene Holzstücke. Und was „zu Scheitern ging“ waren in der Regel Schiffe an Klippen oder Flöße in Stromschnellen. Und wenn ich jetzt etwas interpretiere, dann waren eben diese Schiffe, wenn sie zu heftig mit den Klippen in Kontakt kamen, anschließend bald nicht mehr da, sprich gesunken.

Ok, langsam geht mir ein kleines Licht auf. Später war Scheitern im Sprachgebrauch dann kein Tun mehr sondern es beschrieb das Erleiden eines katastrophalen Rückschlages oder wenigstens das Ausbleiben von Erfolg. Das Bild von einem Schiffbruch gefällt mir bei dieser Erklärung noch am meisten, denn so fühlt es sich im Grunde ja auch an.

Promis sind auch nur Menschen

Wir erleben ständig wie Menschen scheitern, besonders wenn wir durch unsere transparente Medienwelt fast hautnah deren Niederlagen verfolgen dürfen. Wir erinnern uns in der Politik an Herrn Wulf oder Herrn Gutenberg. Im Sport denken wir vielleicht an Uli Hoeneß oder an alle Fußballtrainer der Bundesliga, die es Jahr für Jahr nicht schaffen ihre Mannschaft dauerhaft zum Sieg zu führen. Nach einer Anzahl von „Niederlagen“ gehen sie oder „werden gegangen.

Oder ein Beispiel aus der Wirtschaft: Erst letzte Woche ist Herr Winterkorn, Vorstandsvorsitzender von Volkswagen, nicht ganz freiwillig,  zurückgetreten. Nur wenige Tage bevor sein laufender Vertrag bis 2018 verlängert werden sollte. Die „Abgaßaffaire“ hat ihm leider einen Strich durch die Rechnung gemacht. Sind diese Persönlichkeiten nun alle gescheitert? Beispiele gibt es zu hauf. Meist waren sie zuvor, zumindest für uns Außenstehende, sehr erfolgreich, setzten zum Teil bahnbrechende Ideen um.  Sollen sie jetzt alle Gescheiterte sein und ziemlich am Ende unseres Gesellschafts-Rankings sein? In unserem klein-bürgerlichen nicht-öffentlichen Leben ist es oftmals ähnlich.

Und genau da muss man differenzieren, denke ich.

Ein Phrasenschwein muss her

Man muss eben nicht promient sein um Erfahrungen mit Niederlagen, ja mit dem Scheitern an sich zu machen. Wir kennen es alle und die wenigsten finden es klasse. Mehr noch, je nach Schwere der Niederlage fühlt es sich ziemlich beschissen an. Doch gescheitert ist man nach einer Niederlage noch lange nicht. Die Frage ist ja wie man damit umgeht. Da fallen mir schon direkt die nächsten Plattitüden ein.

Beispiel gefällig? „Es ist keine Schande hinzufallen. Aber es ist eine Schande einfach liegenzubleiben“ (Theodor Heuss) und unser allseits geschätzter Albert Einstein sagte: „Wer keinen Fehler gemacht hat, hat nie etwas neues ausprobiert“. Gut das ich kein Phrasenschwein auf dem Tisch stehen habe. Und dennoch: auch ich kann nach einigen schmerzlich erfahrenen Niederlagen bestätigen: Es stimmt tatsächlich. Auch wenn manche Niederlage sich anfangs wie ein finales Scheitern anfühlte. Es ist noch nicht das Ende der Fahnenstange.

Steve Tsuruda, ein Start-up Unternehmer hat in seiner Karriere sechs erfolgreiche Unternehmen gegründet und hatte drei Fehlschläge. Er sagt, für ihn sei Scheitern ein anderer Ausdruck für Lernen. Denken wir abschließend an Steve Jobs, den Apple-Guru, der leider zu früh verstorben ist. Als er Apple zusammen mit seinem Partner Steve Wozniak gegründet hatte, wurde er Jahre später aus seinem eigenen Unternehmen rausgeschmissen. Er sagte über diese Erfahrung: „Dass ich bei Apple rausgeschmissen wurde, war das Beste was mir passieren konnte. Die Schwere des Erfolgs wurde durch die Leichtigkeit ersetzt, wieder ein Anfänger zu sein.“

Der Unterschied ist nicht kompliziert

Und so langsam nähern wir uns der Quintessenz, wie ich meine. Meine Tochter fragte mich eben was ich denn mache. Ich erzählte ihr, dass ich mich an einem Bericht versuche mit den Begriffen Niederlage versus Scheitern und ob sie mir dazu etwas sagen könnte. Niederlagen, so meinte sie, gehören zum Leben dazu, die kann und sollte man einstecken. Scheitern ist aufgeben und die (Lebens-) Geschichte wäre beendet. Ich weiss nicht, woher sie in so jungen Jahren (sie ist gerade mal 18) soviel Weisheit hernimmt. Aber ich finde, es trifft es so ziemlich auf den Punkt.

Solange wir Sauerstoff aufnehmen, also solange wir leben, können wir immer noch selbst entscheiden ob wir eine Niederlage wegstecken (am besten wir gewöhnen uns ziemlich schnell daran, denn wie unter Labor-Bedingungen auch überwiegen meist nicht die Siege im Leben), und daraus lernen und wieder neu anfangen, diesmal ein klein wenig mehr Experte. Es muss ja nicht gleich eine Erfolgsgeschichte daraus werden, so wie uns die Klischees glauben machen wollen. Oder ob wir aufhören wollen (!) unsere Geschichte weiter zu schreiben.

Wir müssen uns an die Erfolge vor der Niederlage verstärkt erinnern und dadurch intensiver an uns glauben. Wir müssen uns frei machen von dem was vermeintlich „die Gesellschaft“ denkt. Viel zu schnell wird man in der „Öffentlichkeit“ oftmals angeprangert und ohne detaillierte Informationen vor-verurteilt. Frei nach der Bibel: …der werfe den ersten Stein.

Also ob Niederlage oder Scheitern. Es ist eine Kopfsache und wir haben es selbst in der Hand. Das ist die gute Nachricht. Die Schlechte ist: morgen klingelt der Wecker wieder um 6:50 Uhr.

ICH HELFE IHNEN BEI DER SUCHE UND ENTWICKLUNG VON NEUEN FÜHRUNGSKRÄFTEN

In einem kostenlosen, persönlichen Strategiegespräch am Telefon (ca. 45 Minuten) erfahren Sie, wie Sie vorgehen können, um Ihre Mitarbeiter zu führungsstarken Persönlichkeiten auszubilden.

+49 (0)69 96 86 60 11
Francisco Javier Fiala
Author

Francisco Javier Fiala

Alle Beiträge von: Francisco Javier Fiala